DEUTSCHLAND 2014

Jugendstil triff 1001 Nacht

Der Schlüssel dreht sich im Schloss und die schwere Eisentür windet sich knarzend nach Innen. Wir stehen im Eingang zu einem historischen Bad, das seine besten Zeiten bereits gesehen hat. Langsam erklimmen wir die steinernde Treppe und stehen plötzlich in einer riesigen Schwimmhalle. Es riecht muffig und im durch das Fenster hereinbrechende Herbstlicht tanzen die Staubkörner durch das leere Becken.

Drei Jahre dauerte der Bau des historischen Stadtbades. 1916 öffnete die Badeanstalt ihre Pforten und lud die Bewohner einer Großstadt im Osten zum Entspannen und Wohlfühlen ein. Erbaut als Dreiflügelanlage, war das Bad damals unterteilt in die Bereiche Männer- und Frauenschwimmhalle.

Neben dem Schwimmbetrieb lockte die riesige Anlage auch zum Saunieren ein. Herzstück der Badeanstalt war die orientalische Damensauna. Erbaut im maurischen Stil, steht sie heute unter Denkmalschutz. Tausendundeine Nacht: Prächtige Säulen und Bögen, filigrane Muster mit Verzierungen und dekorative Wandmosaiken in den Farben Blau und Gold versprühten ein orientalisches Flair. Mitten im Ruheraum der prachtvollen Sauna steht ein mit ornamentalen Fliesen versehener Brunnen.

Mehr als nur Baden

Das Stadtbad lockte auch mit einer Vielzahl von medizinisch-therapeutischen Angeboten, wie Wannen- und Schwitzbädern (1. und 2. Klasse), orthopädischem Turnen, galvanischen und Vierzellenbädern oder Inhalation.

Zwei Weltkriege erlebte das Bad im Herzen der Großstadt mit. Die Zeit ist nicht Spurlos an dem Bad vorbeigezogen. In den 1980er Jahren fanden aufwändige Sanierungsmaßnahmen statt. Doch war die Bausubstanz zu marode. So musste das Stadtbad 2004 seine Tore schließen.

10 Jahre später waren wir nun vor Ort und hielten den Dornröschenschlaf in unseren Fotografien fest. Was wird jetzt aus dem Bad? Es gibt Visionen. Aber noch schlummert es, wie so viele Stadtbäder, die wir in den letzten Jahren besucht haben  in einem tiefen tiefen Schlaf.

 

Bilder im Shop ansehen