DEUTSCHLAND 2013

Ein Haus am See

Vor dem Zeitalter der Antibiotika fegten zahlreiche Krankheiten über das Land. Ohne entsprechende Behandlungsmethoden starben unzählige Menschen an verschiedenen Seuchen, die vor allem die lebenswichtigen Organe wie die Lunge und das Herz angriffen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden in Deutschland zahlreiche Heilstätten, die sich vor allem der Bekämpfung der Lungen-Tuberkulose verschrieben.

Eine von ihnen ist die Lungenheilstätte am Grabowsee in der Nähe von Berlin. Gegründet wurde sie 1896 durch den Volksheilstättenverein vom Roten Kreuz. Zu Beginn war die  Einrichtung am Grabowsee nur als Versuchseinrichtung gedacht. Erforscht werden sollte, ob Lungen-Tuberkulose auch in der norddeutschen Tiefebene erfolgreich behandelt werden konnte. Denn Heilstätten dieser Art wurden zu dieser Zeit meist weit abseits der großen Städte erbaut, da der Heilungserfolg eng mit der Zuführung von frischer, reiner Luft verknüpft wurde.

Medizinischer Fortschritt und Krieg

Als 1910 mit Arsphenamin und wenig später mit Penicillin die ersten wirkungsvollen Antibiotika entwickelt wurden, konnte die Tuberkulose endlich Schritt für Schritt zurück gedrängt werden. Die großen Lungenheilanstalten wurden Stück für Stück obsolet. Weiterhin genutzt wurden die weitläufigen Areale oft als Krankenhäuser. Zu Beginn des ersten Weltkrieges wurden die alten Heilstätten vor allem militärisch genutzt. So auch die Heilstätte am Grabowsee. Nach Kriegsende wurde die ehemalige Lungenheilanstalt wegen kriegsbedingter Inflation 1920 an die Landesversicherungsanstalt Brandenburg verkauft.

Im zweiten Weltkrieg diente die Heilstätte am Grabowsee der medizinischen Behandlung von Deutschen Soldaten, nach Kriegsende schließlich der roten Armee als Militärlazarett. Mit dem Abzug der Russen und der Wiedervereinigung Deutschlands vereinsamte die ehemalige Lungenheilanstalt letztendlich.

Ein Silberstreif am Horizont

Heute verfällt ein Großteil der Heilstätte am Grabowsee – doch das soll sich in den nächsten Jahren ändern: Die Wohltätigkeitsorganisation Kidsglobe versucht die Anlage sukzessive wieder herzurichten. Noch ist es kaum vorstellbar, aber auf dem geschichtsträchtigen Gelände soll eine Kinderbegegnungsstätte entstehen.

 

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