DEUTSCHLAND 2014

Das sozialistische Vorzeige-Internat

Es ist ein sonniger Sonntagmorgen, als wir die großflächige Anlage der ehemaligen Jugendhochschule mitten im Wald erreichen. Viele Schüler wurden einst am Bogensee unterrichtet lebten in den Internatsgebäuden der Jugendhochschule.

Heute sind wir nicht alleine vor Ort sondern sind in Begleitung eines Ortskundigen, der mit der Geschichte der ehemaligen Jugendschule vertraut ist. Gemeinsam laufen wir durch den weiten verwilderten Innenhof und lassen uns die Geschichte des verlassenen Ortes erzählen.

Die große Geste: Ein Geschenk für Goebbels

Im Jahr 1936 schenkte die Stadt Berlin dem Reichspropagandaminister Goebbels zu dessen 39. Geburtstag das weitläufige Grundstück am Bogensee. Neben Grund und Boden beinhaltete die Schenkung auf Lebenszeit auch eine Blockhütte am Ostufer des Sees, die Goebbels jedoch bald zu eng wurde. Westlich des Sees ließ er deshalb einen neuen Landsitz errichten.

Das neue Hauptgebäude verfügte 30 Zimmer mit einer Grundfläche von 1600 m². Hinzu kamen ein Wirtschaftsgebäude und ein Gästehaus mit Besprechungszimmer, in dem auch SS-Wachmannschaften untergebracht waren. 1944 wurde ein eigener Hausbunker errichtet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis in das Jahr 1946 wurde in den Räumlichkeiten ein Lazarett eingerichtet. Täglich reisten Offiziere der vier Alliierten Saaten aus der Hauptstadt an, um auf dem zu Berlin gehörenden Territorium ihre Fahnen zu hissen und abends wieder einzuholen.

Die Freie Jugend errichtet eine Schule

Am 9. März 1946 wurden das Gelände und die Gebäude von der Sowjetischen Militäradministration an die Freie Deutsche Jugend (FDJ) übergeben, die dort ihre Jugendhochschule einrichtete.

Zunächst kamen die Schüler aus allen Teilen Deutschlands, später empfing die Jugendhochschule immer mehr Jugendliche aus den befreundeten sozialistischen Ländern. Deshalb wurden das Areal immer wieder um Gebäude erweitert, um der wachsenden Schülerschaft gerecht zu werden. So wurden unter anderem ein weiteres großes Internatsgebäude, eine Sporthalle und ein neues Heizhaus erbaut.

Vom Leben und Sterben der Jugendhochschule

Die Jugendhochschule am Bogensee wurde mit der Wende in der DDR abgewickelt. Das gesamte Gelände fiel wieder an das Land Berlin als Eigentümer. Bis 1999 wurde das riesige Areal noch für verschiedene Projekte genutzt. Seither steht die Jugendhochschule leer und ist dem Verfall preisgegeben.

Händeringend wird derzeit nach einer neuen Bestimmung für die Jugendhochschule am Bogensee gesucht.

 

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