DEUTSCHLAND 2013

Erholung für Wohlhabende

Zwei bekannte Berliner Architekten errichteten 1899 mit dem Parksanatorium Pankow ein privates Kurhaus für Nervenkranke und Erholungsbedürftige. Im “gesündesten Vorort Berlins” wurde ein Juwel der Gründerzeit geschaffen, das lange Zeit als eine Oase für Erholungssuchende, wohlhabende Bürger galt. Denn: Auch vergleichsweise kurze Aufenthalte konnten hinter den Mauern dieser feinsten Jugendstilarchitektur schon die damals enorme Summe von mehreren huntert Mark kosten.

Der erhoffte wirtschaftliche Erfolg blieb jedoch auf Dauer aus. Gleich mehrfach wechselte in kurzer Zeit der Besitzer. Ging es vor dem ersten Weltkrieg noch um das Wohlergehen der oberen Zehntausend, zog nach Kriegsende mit der städtischen Finanzamt der Pragmatismus ein.

Nach dem Hochmut kommt der Fall

Nach der Wende gab man sich mit dem Sozialamt die Klinke in die Hand. Doch auch das Sozialwesen hielt sich nicht lange in der Jugendstilvilla. Bereits im JAhr 2004 wurde das einstige Juwel der Gründerzeit dem Leerstand und dem Verfall preisgegeben. Gäste waren seitdem vor allem selbsternannte Graffiti-Künstler, die sich mit ihren schmierigen Tags und Fäkalsprache auf den Mauern verewigten, die einst die Wohlhabenden, danach Finanzdirektion und schließlich nur noch die Sozialleistungsträger beherbergte.

Der Wohlstand schlägt zurück

Nach der bewegten Vergangenheit soll im Parksanatorium Pankow nun der Reichtum wieder einziehen. In den nächsten Jahren wird die ehemals glanzvolle Jugendstilvilla zu 26 luxuriösen Eigentumswohnungen umgebaut. Der “gesündeste Vorort Berlins” soll wieder auferstehen und den Schandfleck tilgen, zu dem das Juwel der Gründerzeit inzwischen geworden ist. Was daraus werden soll, wird die Zeit zeigen.

 

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